Modellregion Ost

Diakonisches Werk im Kirchenkreis Halberstadt

Um Erkenntnisse für die gelungene Vernetzung im Sozialraum, insbesondere der Diakonie und der Kirchengemeinden und darüber hinaus mit anderen Akteuren zu gewinnen, werden fünf Modellregionen intensiv begleitet. Diakonie und Kirche wollen die Vernetzung in den Mittelpunkt stellen und herausbekommen, was gelingende Faktoren, gute Strategien, Konzepte und Verfahren, aber auch was Hemmnisse und Probleme sind, um eine aktive Nachbarschaft mit Diakonie und Kirchengemeinden umzusetzen. Diese Seite stellt die Modellregion Ost vor, die anderen Regionen sind: NordSüdWest und die grenzüberschreitende Region Kehl-Strasbourg.

Das Diakonische Werk im Kirchenkreis Halberstadt e.V. hält vielfältige Hilfe- und Unterstützungsangebote vor. Zu den Arbeitsfeldern gehören durch Quartiersmanagerinnen koordinierte ambulante Altenhilfe, stationäre Altenhilfe, Maßnahmen des geförderten Arbeitsmarktes, eine Begegnungsstätte, drei Kleiderkammern, Migrationsarbeit, Kindertageseinrichtungen, eine ökumenische Bahnhofsmission und sozialpädagogische Familienhilfe und -beratung.
Durch die Freiwilligen-Agentur des Diakonischen Werkes Halberstadt werden zurzeit ca. 300 freiwillige HelferInnen in den unterschiedlichsten Einsatzfeldern begleitet. Im Rahmen verschiedener Projekte wie z.B. „3. Chance“, „Grüne Damen“, „Alltagshelfer“, „Familien- und Seniorenbegleiter“, „Familien- und Bildungspaten“, „Seniorenbegleitung“ oder in der Bahnhofsmission eingebunden und stellen ein wichtiges Bindeglied im Gemeinwesen das. Des Weiteren engagieren sich Freiwillige im begleitenden Dienst in Altenheimen, Kindertagesstätten oder im Krankenhaus, sind Stadt- und Kirchenführer, unterstützen Schüler bei den Hausaufgaben, geben Migranten Sprachunterricht, leiten Seniorengruppen, helfen in Museen und Bibliotheken und vieles mehr.

Als Modellregion steht im besonderen Fokus  der Bereich der Sozialraumorientierung im Arbeitsfeld „Flüchtlinge und Migranten“, genauer gesagt die Betreuung und Integration von bleibeberechtigten Flüchtlingen in der Region Halberstadt und der Einheitsgemeinde Stadt Osterwieck.

Die Situationsveränderung durch steigende Flüchtlingszahlen wurde bei der ökumenischen Bahnhofsmission als erstes und am schnellsten gespürt. Diese ist erste Anlaufstelle für zugreisende Flüchtlinge. Hier veränderte sich die Situation quasi über Nacht. Viele Flüchtlinge suchten Hilfe und Schutz. Es musste schnell reagiert und Freiwillige auf die neue Situation vorbereitet werden. Eine weitere Zusammenarbeit mit der Liebfrauengemeinde entstand. Freiwillige von der Gemeinde übernahmen Nachtschichten, da es für die abends ankommenden Flüchtlinge keine Möglichkeit mehr gab, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur ZASt zu kommen (Entfernung vom Bahnhof zur ZASt ca. 6 km). Situationsgetrieben übernahmen Freiwillige Fahrdienste, mittelfristig musste eine andere Lösung gefunden werden. Durch Vernetzung mit dem Landkreis konnten beispielsweise die Fahrzeiten für die öffentlichen Busse verlängert werden. Netzwerkpartner wurden auf fünf Ebenen identifiziert:

Gottesdienst mit Geflüchteten und Freiwilligen in der Liebfrauenkirche

Durch die neue Situation im Landkreis sind verschiedenen Strukturen und Netzwerke entstanden. Insbesondere im Bereich der Migrationsarbeit ist seit dem letzten Jahr eine intensive Zusammenarbeit mit der Liebfrauengemeinde entstanden. Ziel ist es durch gemeinsame Aktionen Begegnungsmöglichkeiten zwischen Einheimischen und Geflüchteten eine Willkommenskultur für Halberstadt zu schaffen. So entstand die Veranstaltungsreihe „all together now“ Musizieren mit Flüchtlingen, welche auch in diesem Jahr fortgesetzt wird. Hierfür werden bis zu 300 Flüchtlinge aus der ZASt mit Bussen abgeholt und in die Liebfrauenkirche Halberstadt gebracht. Fast ebenso viele Einheimische nehmen an den Veranstaltungen teil. Von April bis September findet einmal im Monat eine Veranstaltung statt. Nach einem gemeinsamen Gottesdienst mit Übersetzung in fast fünf Sprachen wird, gemeinsam bei Kaffee und Kuchen, musiziert. Das Diakonische Werk Halberstadt unterstützt bei der Verpflegung der Gäste. Neben der federführenden evangelisch-reformierten Liebfrauengemeinde sind weitere Einrichtungen beteiligt: Baptistische Gemeinde, Caritasverband, Diakonissenhaus-Cecilienstift, katholische Gemeinde.

Auf dem Titelbild ist ein gemeinsamer Nachmittag in der Gemeinschaftsunterkunft der Diakonie in Osterwieck zu sehen. In der Bildergalerie unten sind ausgewählte Bilder vom “All-together-now” Fest, einem Imkereischnupperlehrgang in einer Gemeinschaftsunterkunft in Osterwieck und einem Fahrradsicherheitskurs gemeinsam mit der Polizei.